Von Mensch zu Mensch: Alltagsbegleiter bereichern das soziale Leben im Theresianum

Die geschulten Mitarbeiter aktivieren und motivieren die Bewohner mit vielen Ideen

22.07.2015/am

Das Hochbeet im Garten des Alten- und Pflegeheims Theresianum in Fürstenfeldbruck steht in voller Pracht. Tomaten, Radieschen, Kräuter und Blumen gedeihen prächtig. Gepflanzt wurden sie von den Bewohnerinnen und Bewohnern Lieselotte Rak (75), Theodor Maletz (80) und Friederike Steiniger (84). Nach einem Ausflug in eine heimische Gärtnerei bepflanzten sie das Hochbeet nach eigenen Vorstellungen. Möglich wurde dies durch ihre „Alltagsbegleiter“. Alltagsbegleiter sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zwar eine intensive Schulung, aber keine Ausbildung in der Pflege haben. Sie gibt es seit 2008. Die Alltagsbegleiter gestalten das soziale Leben in einem Alten- und Pflegeheim und ergänzen die Aufgaben der Pflegekräfte.

Ein Ausflug ins Grüne, zum Einkaufen in die Stadt oder musizieren und spielen in der Gruppe – was sich zunächst einfach anhört, ist im täglichen Alltag eines Altenheims nicht leicht zu organisieren. Viele Bewohnerinnen und Bewohner sind gehbehindert oder auf den Rollstuhl angewiesen, sie brauchen schon für eine kurze Strecke Hilfe und Unterstützung. Gleichzeitig müssen sich die Pflegekräfte rund um die Uhr um Schwerstpflegebedürftige kümmern. Da bleibt für die Gestaltung der Freizeit oder gar nur ein einfaches Gespräch wenig Zeit. Durch das „Pflegestärkungsgesetz“, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, können nun mehr Betreuungskräfte eingestellt werden, die den Alltag der Heimbewohner mit Pflegestufe aktiv gestalten und nach Tarif bezahlt werden. Für zwanzig anspruchsberechtigte Bewohner wird jeweils eine Betreuungskraft in Vollzeit gewährt. Im Theresianum in Fürstenfeldbruck arbeiten zurzeit acht von ihnen.

So wie Karin Jansen (44), die seit 2010 im Theresianum Alltagsbegleiterin ist. Die gelernte Bürokauffrau hat sich nach der Erziehung ihrer beiden Söhne entschieden, noch einmal einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen und sich in einer sozialen Einrichtung zu engagieren. Sie betreut u.a. eine Gruppe von Senioren, die gerne Hand- und Bastelarbeiten machen. Unter ihrer Anleitung entstanden so schon Teddybären oder Pflanzschilder aus Holz für den Kräutergarten. „Die Menschen strahlen, blühen auf, wenn wir uns mit ihnen beschäftigen und das gibt mir sehr viel Motivation“, sagt Karin Jansen. Angela Schäffler ist seit Mai dieses Jahres als Alltagsbegleiterin im Theresianum tätig. Die gebürtige Sächsin und Mutter eines Sohnes übernimmt gerne Gedächtnisrunden oder Spiele wie Bingo mit den Bewohnern. „Es gibt Bewohner, die einem zunächst skeptisch gegenübertreten, vielleicht auch wegen meines Dialekts“, meint die 58jährige schmunzelnd, „erste Gespräche zeigen mir dann, was die Senioren früher gerne gemacht haben und welche Bedürfnisse sie haben. Es nutzt ja nichts, wenn ich mit einem großen Betreuungsprogramm komme und der Bewohner dann auf eine Wandbild in seinem Zimmer zeigt, auf dem die Familie zu sehen ist.“

„Unsere Betreuungskräfte sind einfach da für Gespräche und Sorgen, sie versuchen, Ängste zu nehmen, sowie Sicherheit und Ordnung zu vermitteln“, beschreibt Pflegedienstleitung Daniela Wilhelm die anspruchsvollen Aufgaben. „Die Alltagsbegleiter lassen sich ganz auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen ein und orientieren sich an dessen Fähigkeiten, Vorlieben und seiner Lebensgeschichte. Gerade während der Eingewöhnungsphase sind die Betreuer eine unschätzbare Hilfe um zu erspüren, wie wir den neuen Bewohnern das Leben bei uns angenehm machen können.“

Die drei Senioren, die das Hochbeet gestaltet haben, waren bereits früher begeisterte Gärtner. Lieselotte Rak hat nun auch ihren Balkon bepflanzt, Theodor Maletz zieht auf seinem Tomaten und Gurken und Friederike Steiniger erfreut sich an den vielen verschiedenen Kräutern, die zu Maria Himmelfahrt im August zu Kräutersträußen gebunden werden. Durch die Arbeit der Alltagsbegleiter wird so nicht nur ihr Leben bunter, sondern das aller Bewohner im Theresianum.